Mein erster eigener 3D-Drucker sollte kein fertiges Gerät von der Stange werden. Ich wollte verstehen, wie so eine Maschine aufgebaut ist, sie selbst montieren, verkabeln und später jederzeit erweitern können. Nach langer Recherche fiel meine Entscheidung deshalb auf einen RatRig V-Core 4 in der 300 × 300-mm-Variante.
Warum überhaupt DIY?
Ich hätte auch einen komplett montierten Drucker kaufen können. Für mich lag der Reiz aber gerade darin, die Mechanik, Elektronik und Software selbst kennenzulernen. Ein DIY-Drucker ist mehr Arbeit, bietet dafür aber deutlich mehr Freiheit bei Reparaturen, Umbauten und späteren Erweiterungen.
Recherche: Voron oder RatRig?
Wer sich mit leistungsfähigen DIY-3D-Druckern beschäftigt, stößt sehr schnell auf zwei bekannte Namen: Voron und RatRig.
Voron besitzt eine riesige Community und ist für seine komplett selbst aufgebauten CoreXY-Drucker bekannt. Nach längerer Recherche hat mich RatRig jedoch stärker angesprochen.
Was mich am RatRig überzeugt hat
- Sehr modularer Aufbau
- Leicht erweiterbar
- Stabile Aluminiumprofil-Konstruktion
- Viel Platz für eigene Umbauten
- Mehrere Größen verfügbar
- Europäischer Versand aus Portugal
Warum 300 × 300 mm?
Die 300er-Version bietet für meine Projekte ausreichend Bauraum, bleibt aber noch gut aufstellbar. Größere Varianten wären zwar beeindruckend, benötigen jedoch deutlich mehr Platz und bewegte Masse.
Bestellung und Lieferung
Der Bestellvorgang verlief überraschend unkompliziert. Bereits ungefähr eine Woche später standen die ersten Pakete mit Versandlabel aus Portugal vor der Tür.
Mein erster Eindruck
Für einen umfangreichen DIY-Bausatz war die Lieferung angenehm schnell. Trotzdem sollte man direkt nach dem Auspacken kontrollieren, ob alle Profile, Schrauben, Elektronikkomponenten und Druckteile vollständig vorhanden sind.
Die ersten Schritte: Sortieren und vorbereiten
Nach dem Auspacken begann der typische DIY-Teil: alles sortieren, beschriften und nach Baugruppen ordnen.
- Schrauben und MutternNach Größe und Bauabschnitt sortieren.
- AluminiumprofileAuf Beschädigungen und korrekte Länge prüfen.
- ElektronikPlatinen, Netzteil, Motoren und Sensoren getrennt vorbereiten.
- DruckteileAuf Sauberkeit und Maßhaltigkeit kontrollieren.
- KabelNach Funktion und späterem Einbauort ordnen.
Der offizielle RatRig-Build-Guide beginnt unter anderem mit dem Einsetzen der Einschmelzgewinde in die gedruckten Teile. Dafür ist ein Lötkolben mit passendem Heat-Set-Insert-Einsatz sehr hilfreich.
Offiziellen Build-Guide verwenden
Beim Aufbau sollte immer mit der aktuellen RatRig-Dokumentation gearbeitet werden. Bauabschnitte, Schraubenlängen und Details können sich zwischen Revisionen ändern.
Elektronik: Crimpen, Stecker und Kabel
Ein großer Teil des Aufbaus besteht aus Kabelvorbereitung. Viele Leitungen müssen gekürzt, abisoliert, gecrimpt und mit passenden Steckern versehen werden.
- Dupont-SteckerFür verschiedene Signal- und Anschlussleitungen.
- Molex- beziehungsweise JST-SteckerJe nach verwendeter Komponente und Platine.
- AderendhülsenFür sichere Schraubklemmen an Stromversorgung und Verteilung.
- KabelbeschriftungErleichtert Fehlersuche und spätere Umbauten deutlich.
Crimpverbindungen müssen wirklich sauber sein
Schlechte Crimps können zu Kontaktproblemen, sporadischen Fehlern, erhöhter Erwärmung oder im schlimmsten Fall zu beschädigter Elektronik führen. Ein hochwertiges Crimpwerkzeug und eine anschließende Zugprobe sind deshalb Pflicht.
Der Rahmen – das Fundament des Druckers
Beim Rahmenbau lohnt es sich, langsam und sorgfältig zu arbeiten. Der Rahmen bildet die geometrische Grundlage für alle späteren Baugruppen.
Darauf sollte man achten
- Profile sauber aneinander ausrichten
- Rahmen auf Rechtwinkligkeit prüfen
- Schrauben gleichmäßig anziehen
- Maße mehrfach kontrollieren
- Erst nach dem Ausrichten endgültig festziehen
Folgen eines schiefen Rahmens
- Ungleichmäßige Bewegungen
- Verspannte Linearführungen
- Schlechtes Druckbild
- Probleme beim Ausrichten des Portals
- Aufwendige Nacharbeiten
Ein sauberer Rahmen spart später Arbeit
Viele Probleme, die später wie ein Software- oder Kalibrierungsfehler wirken, beginnen bereits bei einer ungenauen Mechanik. Deshalb habe ich mir für den Rahmen bewusst mehr Zeit genommen.
Linearführungen, Toolhead und Elektronik
Nachdem der Rahmen ausgerichtet war, folgten die mechanischen und elektrischen Baugruppen.
Hier zeigt sich eine der größten Stärken des Systems: Der Aufbau ist modular und gut dokumentiert. Gleichzeitig bleibt viel Raum für eigene Entscheidungen bei Toolhead, Elektronik, Sensorik und späteren Erweiterungen.
Vor dem ersten Einschalten
Netzspannung, Erdung, Sicherung, Polarität und alle Versorgungsspannungen müssen vor dem Einschalten kontrolliert werden. Arbeiten an 230 Volt dürfen nur fachgerecht und im spannungsfreien Zustand durchgeführt werden.
Seitenwände aus Dibond in Anthrazit und Kupfer
Die Seitenwände gehören nicht zum Standardlieferumfang. Ich habe mich für 3 mm starke Dibond-Platten in Anthrazit/Kupfer mit Butlerfinish entschieden.
Optik
Die Kombination aus Anthrazit und Kupfer gibt dem Drucker einen hochwertigen und individuellen Look.
Stabilität
Dibond ist formstabil, relativ leicht und für ein geschlossenes Druckergehäuse gut geeignet.
Fertigung
Die DXF-Dateien von RatRig können direkt beim Plattenanbieter hochgeladen und passend zugeschnitten werden.
Bestellt habe ich die Platten bei Kunststoffplattenonline.de. Dadurch konnte ich die offiziellen DXF-Dateien verwenden und die Paneele passgenau fertigen lassen.
Werkzeugliste für einen RatRig- oder DIY-3D-Drucker
Pflichtwerkzeuge
- InnensechskantschlüsselIdealerweise mit Griff und langen Bits.
- Drehmomentschlüssel von etwa 1 bis 6 NmHilfreich für empfindliche Verschraubungen und Linearführungen.
- Feinmechanik- oder geeignetes SchmierölFür die Pflege der Linearführungen nach Herstellervorgabe.
- Hochwertiges CrimpwerkzeugFür reproduzierbare und sichere Kontaktierungen.
- SeitenschneiderZum Kürzen von Kabeln, Kabelbindern und Filament.
- AbisolierzangeFür dünne Leitungen im Bereich von ungefähr 28 bis 20 AWG.
- Lötkolben mit Heat-Set-Insert-EinsatzZum sauberen Einsetzen von Einschmelzgewinden.
- MultimeterFür Durchgangsprüfung, Spannungsmessung und Polaritätskontrolle.
- MessschieberFür exakte Maße und die Kontrolle von Abständen.
Optional, aber sehr hilfreich
- Entgrater oder KantenbrecherZum Nacharbeiten von Paneelen und Bohrungen.
- BeschriftungsgerätFür dauerhaft nachvollziehbare Kabel und Anschlüsse.
- SortierkästenFür Schrauben, Muttern und Kleinteile.
- PräzisionswinkelZum Kontrollieren des Rahmens.
- Zugprüfer oder einfache PinzetteZum Kontrollieren der Crimpkontakte.
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Mein bisheriges Fazit
Der RatRig V-Core 4 ist für mich genau die richtige Wahl gewesen. Der Aufbau fordert Geduld und Genauigkeit, macht aber gleichzeitig sehr viel Spaß und vermittelt ein deutlich besseres Verständnis für Mechanik, Elektronik und Firmware.
Besonders gefällt mir, dass der Drucker mit den eigenen Anforderungen mitwachsen kann. Toolhead, Elektronik, Gehäuse, Sensorik und Kühlung lassen sich später anpassen, ohne das gesamte System ersetzen zu müssen.
Für wen eignet sich ein RatRig?
Für Bastler, die nicht nur drucken, sondern auch bauen, verstehen und optimieren möchten. Wer dagegen möglichst schnell und ohne Montageaufwand loslegen will, ist mit einem Fertigdrucker wahrscheinlich besser beraten.
