Meine Zehnder ComfoAir Q erledigt ihre Arbeit normalerweise unauffällig im Hintergrund. Trotzdem wollte ich genauer sehen, was in der Lüftungsanlage passiert, aktuelle Betriebswerte auswerten und wichtige Funktionen direkt über Home Assistant steuern. Als Hardware verwende ich dafür einen M5Stack ATOM S3 Lite zusammen mit einer Atomic CAN Base. Die Softwarebasis bildet das Open-Source-Projekt comfoair-esp32 von vekexasia, das als externe Komponente in ESPHome eingebunden wird.
Das Ergebnis
Der M5Stack arbeitet als kompakte Schnittstelle zwischen der Zehnder-Lüftungsanlage und Home Assistant. Die eigentliche Kommunikation mit der ComfoAir Q übernimmt die ESPHome-Komponente aus dem Projekt comfoair-esp32. Sie liest bekannte Betriebswerte über den CAN-Bus aus, stellt sie als verständliche Entitäten bereit und ermöglicht unterstützte Steuerbefehle zurück an die Anlage.
Warum ich die Zehnder integrieren wollte
Die Zehnder ComfoAir Q besitzt eine eigene Regelung und funktioniert auch ohne Smart Home zuverlässig. Trotzdem bleiben viele interessante Informationen normalerweise im Gerät verborgen oder sind nur über das originale Bedienteil erreichbar.
In Home Assistant wollte ich unter anderem sehen, wie hoch die aktuellen Lüfterdrehzahlen sind, welche Temperaturen an den verschiedenen Luftkanälen anliegen und wann der Bypass geöffnet wird. Gleichzeitig sollten bestimmte Funktionen wie Boost, Abwesenheitsmodus und Lüfterstufen direkt im Dashboard bedienbar sein.
- Betriebswerte sichtbar machenTemperaturen, Feuchtigkeit, Drehzahlen und Leistungswerte zentral anzeigen.
- Lüftung steuernLüfterstufen, Boost und Abwesenheitsmodus direkt in Home Assistant bedienen.
- Automationen ermöglichenDie Lüftung abhängig von Feuchtigkeit, Anwesenheit oder anderen Sensoren steuern.
- Auffälligkeiten erkennenUngewöhnlich hohe Drehzahlen oder Lüfterleistungen frühzeitig melden.
- Energie auswertenZurückgewonnene Heiz- und Kühlenergie langfristig beobachten.
Die verwendete Hardware
M5Stack ATOM S3 Lite
Der ATOM S3 Lite ist ein sehr kompakter Mikrocontroller auf Basis eines ESP32-S3. Er übernimmt die Datenverarbeitung, stellt die WLAN-Verbindung her und kommuniziert über ESPHome mit Home Assistant.
- ESP32-S3-Mikrocontroller
- WLAN integriert
- USB-C-Anschluss
- Programmierbare RGB-Anzeige
- Kompaktes Gehäuse
Atomic CAN Base
Die Atomic CAN Base stellt die elektrische Verbindung zum CAN-Bus her. Der ATOM wird direkt auf das Modul gesteckt, wodurch eine kleine und aufgeräumte Einheit entsteht.
- CAN-Transceiver
- Direkte Verbindung zum ATOM
- Anschluss für CAN High und CAN Low
- Kompakter Aufbau ohne Steckbrett
- Geeignet für dauerhaft installierte Projekte
ESPHome
ESPHome bildet die Plattform für die Firmware. Die externe Komponente comfoair-esp32 übernimmt dabei die Auswertung der Zehnder-CAN-Kommunikation und stellt die bekannten Sensoren und Steuerfunktionen über Home Assistant bereit.
Home Assistant
Home Assistant übernimmt die Anzeige, Bedienung, Langzeitaufzeichnung und Automatisierung der von der Lüftungsanlage bereitgestellten Werte.
Was ist der CAN-Bus?
CAN steht für Controller Area Network. Dabei handelt es sich um ein robustes Bussystem, über das verschiedene Steuergeräte Nachrichten miteinander austauschen können. CAN wird unter anderem in Fahrzeugen, Maschinen, Heizungsanlagen und Lüftungssystemen eingesetzt.
Die Teilnehmer senden dabei fortlaufend Nachrichten mit einer Kennung und den dazugehörigen Nutzdaten. Die Atomic CAN Base übernimmt die elektrische Kommunikation, während der M5Stack die empfangenen Daten verarbeitet.
Der Datenweg
Zehnder ComfoAir Q
↓ CAN-Bus
Atomic CAN Base
↓ GPIO-Verbindung
M5Stack ATOM S3 Lite
↓ ESPHome und WLAN
Home Assistant
Der elektrische Aufbau
Der ATOM S3 Lite wird direkt auf die Atomic CAN Base gesteckt. Dadurch sind Mikrocontroller und CAN-Schnittstelle bereits miteinander verbunden und benötigen keine zusätzlichen losen Leitungen zwischen den beiden Platinen.
Verwendete GPIO-Anschlüsse
- CAN TXGPIO5
- CAN RXGPIO6
- Busleitung 1CAN High
- Busleitung 2CAN Low
- VersorgungStabile 5-Volt-Versorgung für den M5Stack
Wichtig bei Arbeiten am Bus
CAN High und CAN Low dürfen nicht vertauscht werden. Auch Terminierung, Massebezug und Versorgung müssen zum vorhandenen Aufbau passen. Eine fehlerhafte Verdrahtung kann die Kommunikation der gesamten Anlage stören.
Ich habe deshalb zunächst ausschließlich Daten empfangen und geprüft, ob die bestehende Zehnder-Kommunikation weiterhin stabil arbeitet. Steuerbefehle kamen erst später schrittweise hinzu.
Hier ein kleines Schaltbild der Hauptplatine, zu beachten wenn man vor der Zehnder steht sind die Anschlüsse oben von links nach rechts.

Die Softwarebasis: comfoair-esp32
Die Kommunikation mit der Zehnder ComfoAir Q habe ich nicht selbst von Grund auf entwickelt oder das Protokoll vollständig eigenständig analysiert. Als technische Grundlage verwende ich das Open-Source-Projekt comfoair-esp32 von vekexasia.
Das Projekt stellt eine externe Komponente für ESPHome bereit. Sie ermöglicht es, einen ESP32 mit CAN-Transceiver an eine Zehnder ComfoAir Q anzubinden, bekannte Informationen der Anlage in Home Assistant bereitzustellen und unterstützte Funktionen zu steuern.
Verwendetes Open-Source-Projekt
Projekt: comfoair-esp32
Entwickler: vekexasia und Mitwirkende
Repository: github.com/vekexasia/comfoair-esp32
Ein großes Dankeschön geht an den Entwickler und alle Mitwirkenden. Das Projekt liefert die entscheidende Grundlage für die Kommunikation mit der ComfoAir-Q-Anlage und erspart eine vollständige eigene Analyse des CAN-Protokolls.
Einbindung in ESPHome
Das GitHub-Repository wird in der ESPHome-Konfiguration über external_components eingebunden. Zusätzlich werden die von der Komponente benötigten benutzerdefinierten Dienste aktiviert:
external_components:
- source: github://vekexasia/comfoair-esp32
components: [ comfoair ]
api:
custom_services: true
comfoair:
Die Komponente übernimmt anschließend die Auswertung der empfangenen Zehnder-Nachrichten und stellt die bekannten Werte sowie verschiedene Steuerdienste in Home Assistant zur Verfügung.
Meine Anpassung für den M5Stack
Das Projekt beschreibt grundsätzlich den Einsatz eines ESP32 mit einem passenden CAN-Transceiver. Für meinen Aufbau verwende ich anstelle einer klassischen Einzelplatinen-Lösung den M5Stack ATOM S3 Lite mit der direkt aufgesteckten Atomic CAN Base.
Mein eigener Teil der Umsetzung besteht damit vor allem aus der Auswahl und Verdrahtung der Hardware, der Anpassung der ESPHome-Konfiguration an die GPIO-Belegung des ATOM S3 Lite, der Einbindung in mein WLAN und Home Assistant sowie dem Aufbau des Dashboards, der Warnmeldungen und der Automationen.
Praktisch im täglichen Betrieb
Nach der ersten Installation muss der M5Stack für Firmware-Updates nicht mehr ausgebaut werden. Änderungen an meiner ESPHome-Konfiguration oder Aktualisierungen der externen Komponente können anschließend bequem über WLAN installiert werden.
Welche Werte ich auslesen kann
Temperaturen
Die verschiedenen Temperatursensoren zeigen, wie sich die Luft auf ihrem Weg durch die Anlage verändert. Besonders interessant ist der Vergleich zwischen Außenluft, Zuluft, Abluft und Fortluft.
- AußenlufttemperaturTemperatur der von außen angesaugten Luft.
- ZulufttemperaturTemperatur der Luft, die in die Wohnräume eingeblasen wird.
- AblufttemperaturTemperatur der aus den Räumen abgesaugten Luft.
- FortlufttemperaturTemperatur der Luft nach dem Wärmetauscher.
Lüfter und Leistung
Zusätzlich kann ich die Drehzahlen und die prozentuale Ansteuerung der beiden Lüfter sehen. Dadurch lässt sich nachvollziehen, wie stark die Anlage gerade arbeiten muss.
Eine hohe Leistung während eines Boosts ist normal. Bleibt die Ansteuerung jedoch über längere Zeit ungewöhnlich hoch, kann dies beispielsweise auf verschmutzte Filter oder einen erhöhten Widerstand im Luftsystem hindeuten.
Feuchtigkeit, Bypass und Energie
Luftfeuchtigkeit
Die gemessene Feuchtigkeit kann für Anzeigen, Warnungen und automatische Boost-Funktionen verwendet werden.
Bypass
Home Assistant zeigt an, ob der Bypass geöffnet ist und wie weit er aktuell angesteuert wird.
Energiewerte
Die vermiedene Heiz- und Kühlenergie zeigt, welchen Beitrag die Wärmerückgewinnung tatsächlich leistet.
Betriebszustand
Modus, Filterstatus, Drehzahlen und weitere Anlageninformationen stehen zentral zur Verfügung.
Welche Funktionen ich steuern kann
- LüfterstufeZwischen niedriger, mittlerer und hoher Lüftungsstufe wählen.
- AbwesenheitsmodusDen Luftaustausch bei längerer Abwesenheit reduzieren.
- BoostEine erhöhte Lüfterleistung für 15 Minuten, 60 Minuten, 3 Stunden oder 12 Stunden aktivieren.
- BypassZwischen automatischem, geöffnetem und geschlossenem Betrieb wählen.
- FeuchtigkeitsfunktionenKomfort- und Schutzfunktionen der Anlage einstellen.
- TemperaturprofilDas gewünschte Temperaturverhalten auswählen.
Die interne Regelung bleibt erhalten
Ich lasse die grundlegende Regelung weiterhin von der Zehnder-Anlage übernehmen. Home Assistant greift nur gezielt ein, beispielsweise für einen zeitlich begrenzten Boost oder den Abwesenheitsmodus.
Mein Home-Assistant-Dashboard
Für die ComfoAir Q habe ich ein eigenes Dashboard angelegt. Dort befinden sich die wichtigsten Betriebswerte und Steuerelemente auf einer gemeinsamen Seite.
- AnlagenstatusBetriebsmodus, Lüfterstufe, Temperaturen und Bypass auf einen Blick.
- LüfterüberwachungDrehzahlen und prozentuale Ansteuerung beider Ventilatoren.
- Direkte BedienungBoost, Abwesenheit, Bypass und Profile ohne separates Bedienteil ändern.
- WarnanzeigeAuffällige Werte oder erkannte Fehler deutlich hervorheben.
- LangzeitauswertungTemperaturen, Feuchtigkeit und Energiewerte über längere Zeiträume vergleichen.
Automationen für den Alltag
Boost bei hoher Luftfeuchtigkeit
Abwesenheitsbetrieb
Überwachung der Lüfterbelastung
Zusätzlich überwache ich die Lüfterleistung und die Drehzahlen. Bleiben diese Werte über einen längeren Zeitraum ungewöhnlich hoch, kann Home Assistant eine Warnung anzeigen oder eine Benachrichtigung senden.
Nicht jede hohe Drehzahl ist ein Fehler
Während eines Boosts oder bei hohem Luftbedarf sind erhöhte Werte normal. Eine Warnung sollte deshalb erst ausgelöst werden, wenn ein Grenzwert über einen längeren Zeitraum überschritten wird.
Herausforderungen bei der Umsetzung
Die grundlegende Auswertung der Zehnder-Kommunikation wird durch das Projekt comfoair-esp32 bereitgestellt. Die größte Herausforderung bei meiner Umsetzung war deshalb vor allem, die alternative M5Stack-Hardware korrekt anzubinden, die GPIO-Belegung und CAN-Verbindung passend zu konfigurieren und alle Werte sowie Steuerbefehle schrittweise an meiner Anlage zu testen.
So bin ich vorgegangen
- Hardware zunächst ohne Steuerbefehle angeschlossen
- CAN-Nachrichten nur empfangen
- Sensorwerte mit dem Bedienteil verglichen
- Einzelne Funktionen schrittweise getestet
- Steuerung erst danach freigegeben
Mögliche Fehlerquellen
- CAN High und CAN Low vertauscht
- Falsche GPIO-Zuordnung
- Unpassende Busgeschwindigkeit
- Fehlerhafte Terminierung
- Ungeprüfte Steuerbefehle
Was mir an der Lösung gefällt
Der komplette Aufbau ist sehr klein und benötigt kaum Platz. Trotzdem übernimmt die Einheit gleichzeitig die Aufgaben eines CAN-Gateways, einer WLAN-Schnittstelle, eines ESPHome-Geräts und einer Steuerzentrale für die Lüftungsanlage.
Die wichtigsten Vorteile
- Sehr kompakter und sauberer Aufbau
- Direkte Einbindung in Home Assistant
- Keine zusätzliche Cloud erforderlich
- Firmware-Updates über WLAN
- Sensoren und Schalter erscheinen als normale Entitäten
- Die originale Zehnder-Regelung bleibt erhalten
Ersetzt der M5Stack die originale Steuerung?
Nein. Die bestehende Regelung und das originale Bedienteil der Zehnder-Anlage bleiben vollständig erhalten.
Der M5Stack ergänzt lediglich eine zusätzliche Smart-Home-Schnittstelle. Sollte Home Assistant, das WLAN oder der ATOM ausfallen, arbeitet die Lüftungsanlage grundsätzlich weiterhin mit ihrer eigenen Regelung.
Eine Smart-Home-Erweiterung sollte eine technische Anlage komfortabler machen, sie aber nicht unnötig von einem einzelnen Server oder Netzwerkdienst abhängig machen.
Fazit
Mit dem M5Stack ATOM S3 Lite, der Atomic CAN Base und der Open-Source-Komponente comfoair-esp32 konnte ich meine Zehnder ComfoAir Q erfolgreich in Home Assistant integrieren.
Die kleine Einheit liest Betriebsdaten aus, stellt zahlreiche Sensorwerte bereit und ermöglicht die Steuerung wichtiger Funktionen. Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Lüfterdrehzahlen, Bypass, Betriebsmodi und Energiewerte stehen dadurch zentral im Smart Home zur Verfügung.
Mein persönliches Ergebnis
Die Lüftungsanlage arbeitet weiterhin selbstständig, ist jetzt aber transparent, auswertbar und direkt in meine Automationen eingebunden. Der M5Stack ATOM stellt dafür eine kompakte Hardwarebasis bereit, während das Projekt comfoair-esp32 die entscheidende Softwaregrundlage für die Zehnder-Kommunikation liefert. Zusammen entsteht daraus eine saubere Smart-Home-Schnittstelle, ohne einen großen Computer oder eine komplizierte Eigenbauplatine einsetzen zu müssen.
